09241-80 86 688 post@claudia-schramm.com
Seite auswählen

Letzte Woche habe ich einen Tag gehabt, an dem ich aus einem schier unerschöpflichen Energie-Reservoir schöpfen konnte.

Meine Freundin war da, die Steuererklärung war mit ihrer Hilfe quasi ein Klacks, eine Abrechnung mit der Zusatzversicherung in wenigen Augenblicken in trockene Tücher gebracht – naja, fast 😉 …und irgendwie schwomm ich noch auf einer Welle des Hochgefühls, resultierend aus einer wirklich schönen Familienfeier am Wochenende zuvor.

Ich konnte Bäume ausreißen und war abends um zehn immer noch so geflasht, dass ich nicht einschlafen konnte.

Doch schon tags drauf ging es mit der Energie bergab und das Wochenende verlief eher lau – kein rechter Antrieb, etwas zu unternehmen. Klar, war ja auch ****wetter, quasi – darauf kann man es im Zweifelsfall immer schieben.

Gestern schlug das Ganze aber so richtig in eine generalisierte bleischwere Lähmung um und ich hab nicht einmal den kleinen Finger mehr rühren können.

Wäsche? Eine Rechnung, die zu bezahlen war? Oder auch nur der Gang zur Apotheke, um eine schon seit zwei Tagen bereitliegende Creme abzuholen?

Undenkbar. Nur dieser übermächtige Impuls, mich umgehend aufs Sofa zu begeben („Gehe direkt dorthin, gehe nicht über Los, …“)

Zum Glück war das Sofa weit entfernt, weil ich gerade eines der Kinder zum Übungstermin gekutscht hatte und vor dem Haus im Auto wartete. Stattdessen war mein Leib- und Magenjournal zur Hand und ich schrieb endlich meine verspäteten Morgenseiten… um 16 Uhr!

Langeweile

Ich fragte mich, was denn so abgeht – und meine für diese Situation ausgesuchte Lieblingsapp spuckte diese abgebildete Karte aus (natürlich nicht buchstäblich, sondern im übertragenen Sinn ;-))
Somit hatte ich meinen internen Wetterbericht direkt vor Augen:

Langeweile.

„The sickness of the soul“ – Ja, dieses Siechtum der Seele, ein guter Bekannter. Diese Langeweile, diese Antriebslosigkeit, ein massives „ins Nichts starren“. Faulheit vielleicht auch?
Oder eher Unentschlossenheit? Ein Übermaß an Optionen, gepaart mit einer Schwäche in Sachen Entscheidungsfreude. Desillusioniert, irgendwie gefangen… ja, die Beschreibung im Begleittext der Karte passt gut.

Immer wieder aufs Neue werde ich in solche Situationen geworfen, immer wieder aufs Neue muss ich lernen, mich selbst aus dem Sumpf zu ziehen.

Das Schöne am unzensierten, ehrlichen Schreiben à la Morgenseiten ist, dass man schnell auf den Punkt kommt. Mit zunehmender Erfahrung habe ich gelernt, dass es nichts bringt, mir noch seitenlang in die Tasche zu lügen, das ist höchstens Papierverschwendung.

Eine Lösungsmöglichkeit ist in obigem Bild selbst angedeutet: die Frauenfigur starrt ins Nichts, während um sie herum die Quellen sprudeln. Es ist völlig ausreichend, für einen kurzen Moment den Blick zu heben, etwas anderes wahrzunehmen und mich nicht länger im eigenen Selbstmitleid zu suhlen.

Der Moment war ungünstig, das Kind kam in wenigen Minuten aus dem Haus – aber hätte ich eine halbe Stunde Zeit zur Verfügung gehabt, ich hätte mich mit meiner Handykamera auf einen Fotospaziergang begeben. Das ist meine Nummer-Eins-Methode, um mich aus Grübelei, Antriebslosigkeit und Lähmung zu befreien.

Da diese Option nicht verfügbar war, habe ich das zweitbeste getan, was mir eingefallen ist. Kritzeln. jawoll, mit dem Füller einige völlig zweckfreie Linien scribbeln und dann gucken, ob ich *irgendwas* in diesen Linien sehen kann
Kritzel-Pferd

Es wurde ein Pferd.
Und was mache ich nun mit diesem Pferd?

Ein inneres Bild – ein galoppierendes Pferd, romantisch im Sonnenuntergang über Hügel und Felder – das ist ein powervolles Bild von Freiheit.
So ganz anders als das lahme auf der Stelle treten, mich nicht entscheiden können und in dem Siechtum der Seele feststecken.

Das ist natürlich immer noch keine endgültige Befreiung aus dem Sumpf, eher nur ein Gefühl, wie es stattdessen sein könnte… und letztlich geht es auch nicht darum, ein Pferd oder was auch immer zu sehen in diesen Kritzeleien – es geht darum, in Bewegung zu kommen. Irgendwie.

Heute früh nun – ich bin seeehr zeitig aufgewacht und habe über die ganze Sache nachgedacht, kam mir die essentielle Zutat in den Sinn. Es geht vor allem darum, sich wieder dem Jetzt, dem Alltag, dem gerade anwesenden Menschen zuzuwenden.

Es geht darum, das Herz wieder zu öffnen.

Sobald ich es schaffe, dieses kleine Ziehen zu spüren, dieses gefühlte „Plopp“, wenn diese unsichtbare Verbindung wieder zu fließen beginnt, weiß ich, dass ich wieder im Spiel bin.
Die Lähmung ist vorbei. Ich kann die Dinge wieder angehen. Kann Prioritäten festsetzen, mich viel leichter entscheiden und den Tag mit neuer Kraft angehen. Es ist wirklich so einfach.

Und wie das geht? Es gibt diese Vorstellung, dass die Gefühle und Emotionen wie auf einer Treppe angeordnet sind… Langeweile und Unentschlossenheit sind so auf der ersten Stufe in den Keller – wenn man das neutrale Gefühl verlässt. Auf den Stufen nach oben kommen dann als erstes Dankbarkeit und als zweites Zufriedenheit…

Zufriedenheit ist schwierig zu erzeugen – zumindest für mich. Und in dem Moment, wo es ohnehin grad nicht so flutscht, da ist Zufriedenheit einfach einen Tick zu weit weg.
Aber Dankbarkeit ist ein echter Schlüssel.

Dankbarkeit kann ich selber erzeugen, einfach, indem ich mein Denken ändere und die Aufmerksamkeit auf etwas anderes lege.

Neben mir atmet im Schlaf mein Gemahl. Der Himmel verspricht heute blau zu werden. Ich bin wach und meine Zudecke ist MEGA-kuschelig. Was braucht es mehr?

Und schwupp. da war es, das „Plopp“, als mein Herz wieder aufgegangen ist.

🙂