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Zu Beginn der Sommerferien habe ich eine kleine Städtereise nach Berlin unternommen, um mich dort mit meiner Freundin zu treffen. Wir hatten drei schöne Tage und haben unserem gemeinsamen Hobby, dem Zeichnen gefrönt. Natürlich haben wir auch Berlin erkundet, allerdings abseits der üblichen verdächtigen Hauptsehenswürdigkeiten…

Prinzessinnengarten

Erstes Highlight waren die Prinzessinnengärten am Moritzplatz. Vor Jahren schon habe ich Berichte über Gärten gelesen, die sich überall auf der Welt in den großen Städten etablieren um dort mitten in der Stadt Landwirtschaft zu betreiben und Menschen mit dem gemeinsamen Interesse „Garten“ zu verbinden – teilweise über Sprachgrenzen hinweg bis hin zur Völkerverständigung. Umso schöner ist es, einen solchen ökologischen und sozialen Garten endlich einmal live zu sehen!

Kistenbeete

Urbane Landwirtschaft bedeutet eine Erzeugung von Lebensmitteln sprich Gemüseanbau (und natürlich Obst und Kräuter) abseits der klassischen Formen. Was bisher nur „auf dem Land“ im Acker oder in typischen Kleingartensiedlungen stattfand, bekommt jetzt eine ganz andere Form und Dimension – nicht nur eine ökologische, sondern vor allem auch eine soziale… es ist nicht länger ein klassisches Eigentum an Grund und Boden nötig, um tatsächlich auch Gartenbau zu betreiben. Der Modellversuch in den Prinzessinengärten macht es deutlich, dass Pflanzen auch wachsen, wenn sie anders als üblich gepflanzt werden.

Tomaten in weißen Säcken

Mir haben vor allem die unkonventionellen Anbau-Methoden gefallen. Hochbeete werden aus Euro-Gitterboxen hergestellt (die von den Bäckereien, wegen der Lebensmitteltauglichkeit). Wo sonst die frischen Brötchen transportiert werden wird nun mit Pappkarton ringsum als Rieselschutz und Erde aufeinandergestapelt zu einem Hochbeet.

Rosmarinbeet

„Think outside the Box“ – das Verlassen der üblichen begrenzenden Denkweise heißt hier vor allem mal: „think inside the box“. Die unschätzbare und offensichtlichen Vorteile sind: Das Pflanzbeet ist wühlmausfrei und hat eine rückenfreundliche Arbeitshöhe.

eine Sitzbank

In so einer Gitterbox wachsen z.B. sechs Kohlrabipflanzen. Oder auch mal ein niedlicher halber Quadratmeter Rasen 😉
Gut gelöst finde ich auch das Bewässerungssystem, das über Wassersammelbehälter und Schlauchleitungen einen Haufen Arbeit spart.

Bewässerung

Theoretisch ist ein Garten, der in verschiedenen Pflanzbehältern angelegt ist, auch abtransportierbar, das steht aber naturgemäß eher nicht im Vordergrund. Ich hoffe sehr, dass die Prinzessinnengärten noch lange ihren Vorbildcharakter auf der Brache mitten in der Stadt behalten können und nicht durch Investitionen und neue Gebäude von diesem Sahnegrundstück vertrieben werden – die grundsätzliche Idee gilt jedoch für alle ähnlichen Stadtbrachen: Mitten in der dichten Bebauung entsteht auf einem ungenutzten Grundstück ein Garten, der die Menschen zusammenbringt und nährt. So ein urbaner Garten ist eine wohltuende Zwischennutzung – mehr als nur Müll und Schrott abstellen und lebendiger als die Fläche schlicht zuzubetonieren und zu überbauen.

Heilpflanzen

Für mich war die kreative und sehr naturnahe Atmosphäre in den Prinzessinnengärten unglaublich inspirierend. Wer mehr erfahren will und auch über die Entwicklung der Ablegergärten auf dem Laufenden bleiben will, dem empfehle ich den Blog der Prinzessinengärten.

Kürbis auf dem Containerdach

Marienkäfersuite

Raum ist auch im schmalsten Gang

Ach ja, übrigens: Punkt 19 auf der Liste – „einen interkulturellen Garten besuchen“ – ist hiermit erledigt 🙂

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