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Ich erinnere mich ganz genau an den ersten Weihnachtsfeiertag im letzten Jahr. Die Familie war am Frühstückstisch versammelt und man überlegte, was man denn so unternehmen könne. Mein Bruder hat ein iphone (ich besaß damals noch kein Smartphone) und wir beschlossen, dieses ominöse „Geocaching“ mal auszuprobieren, von dem wir schon gehört hatten.

Flugs eine App installiert – damit es auch unterwegs Zugriff auf das Verzeichnis der Schätze in der Umgebung gibt und ab ins Auto (im Fachjargon „Cachemobil“). Auf der Homepage von geocaching.com hatten wir uns einen versteckten Schatz ausgesucht und ab hier beginnt das, was ich als das eigentliche Wunder an dem ganzen Spiel bezeichne:

Mein Bruder hatte sich einen als „Munitionsbunker“ betitelten Cache aus der Liste der Caches in der Umgebung herausgepickt und ich dachte mir so, „naja, wie öde“… Der Weg zum Cache führte in das über-über-übernächste Nachbardorf, das in meinem bisherigen Horizont nur als das Dorf mit der Bauerndisco herumspukte und von dort aus hinter dem Ortsschild rechts in einen Feldweg. Ein paar Schlammspritzer auf dem Blech später konnten wir unter einem Hochspannungsmasten parken. Von dort aus noch ein paar hundert Meter zu Fuß und dann standen wir mitten im Wäldchen vor den ehemaligen Munitionsbunkern – zerfallene, eindrucksvolle Ruinen, auf den zertrümmerten Betonblöcken wachsen jetzt sechzigjährige Bäume.

Plötzlich wird Geschichte atembar. Der zweite Weltkrieg fand auch in meiner Heimat statt und hat Spuren hinterlassen.

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Ich hätte ohne das Geocaching niemals einen anderen Zugang zu den besonderen Orten meiner Heimat bekommen… genau das ist es, was ich hauptsächlich an dieser Schatzsuche schätze: Sie führt mich zu neuen, unbekannten und sehenswerten Plätzen.