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Vor allem wenn man schon Erfahrung mit dem Tagebuchschreiben hat und vielleicht bereits viele Tagebücher gefüllt hat, wird man auf ein grundsätzliches Problem stoßen: es gibt eine Vergangenheitsfalle.

Eine fortlaufende Chronologie der Ereignisse ist für die Dokumentation des Lebens im Tagebuch durchaus erwünscht.

Genau dies stellt sich jedoch als tückische Stolperstelle heraus, wenn man das Tagebuchschreiben zum Zwecke der Selbstbetrachtung und Lösungsfindung verwenden möchte.

Tagebuch 1 (2)

Die Vergangenheitsfalle

Die Vergangenheitsfalle verschluckt alle wertvollen Erkenntnisse, die mühsam über Wochen, Monate und Jahre erzielt wurden. Alles verschwindet einfach in ihrem chronologischen dunklen Bauch.

Die Falle entsteht durch das einfache Umblättern und Weiterschreiben. Schon am nächsten Tag sind die Erkenntnisse von heute in Vergessenheit geraten und Sie können bestenfalls noch darauf vertrauen, dass dieses neu gewonnene Wissen als Ahnung in ihrem Unterbewußtsein gespeichert bleibt und in Summe dann eine verbessernde Wirkung entfaltet.

Drehen wir uns im Kreis?

Meistens sieht die Realität aber anders aus: Ich habe neulich aus Spaß in alten Tagebüchern geblättert und musste dann doch leicht entsetzt feststellen, dass ich bereits viele Bücher vor meinem aktuellen Tagebuch die gleichen Themen beackert und dieselben Problemkreise gewälzt habe. Drehe ich mich im Kreis? Hat sich denn in den letzten Jahren überhaupt nichts verbessert?

Es wird besser…

Ich denke, dass allein schon durch die Reflexion und das Nachdenken über das eigene Leben per se bereits eine Verbesserung der Lebenssituation eintritt.

Ich sehe es eher als eine spiralförmige Weiterentwicklung, ähnlich wie bei einer Wendeltreppe. Man denkt zwar, dass man sich im Kreis dreht, aber letztlich kommt man doch Stück für Stück vorwärts.

Was aber, wenn das nicht reicht? Wenn das Tagebuch chronologisch nur wiedergibt, dass man phasenweise immer dieselben Probleme wälzt?

Was, wenn aus der Reflexion leider keine Änderungen und Verbesserungen erfolgen?

Was, wenn die Einsichten an dieser Stelle ein Ende haben, und man nun zwar weiß, dass man ein Problem hat, es aber trotzdem nicht lösen kann?

Wo ist das Problem?

Wie umgehe ich die Vergangenheitsfalle? Wie erreiche ich Verbesserungen, auch wenn das Tagebuch nur eine Chronologie abbildet? Was ist denn nun das eigentliche Problem mit dem reflektierenden (Tagebuch-) Schreiben?

Die Grenzen der Sprache

Ich denke, das grundsätzliche Problem am Schreiben ist – die Sprache. Das geschriebene Wort.

Sprache ist linear. Sprache hat nur eine begrenzte Anzahl an Bedeutungsebenen. Nicht umsonst heißt es:

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

Ja, der Spruch ist alt. Und abgedroschen. Tatsache ist – er stimmt trotzdem.

Die Wirkung von Worten mag phänomenal sein, gewiss gibt es großartige Poeten und wahre Meister der Sprache, aber Sprache reicht nur bis zu einer bestimmten Stelle.

Das Unbewußte denkt nicht mit Worten. Das Unbewußte versteht nur Bilder. Rätselhafte und phantastische Bilder liefern uns unsere nächtlichen Träume – und das ist der Stoff, aus dem unsere Innenwelt gebaut ist.

Die Lösung lautet: Bilder verwenden

Einen riesigen Schritt nach vorne habe ich in meiner Selbsterforschung erzielt, als ich begonnen habe, Bilder zu verwenden.

Kleine Skizzen haben Zuammenhänge besser sichtbar gemacht. Einfachste Zeichnungen machen Erkenntnisse deutlich. Ein schnell hingeworfenes Diagramm lockert die geschriebene Seite auf und ist ein Blickfang.

Und der wahre Durchbruch kam, als ich begonnen habe, mit Collagen zu arbeiten.

Bilder sind der Schlüssel zum Inneren.